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Ein gutes, neues Jahr

Aktualisiert: 29. Juni

Vom Zurückblicken, persönlichen Einblicken und Hoffnung – einem Herzenswunsch und meinem störrischen Glauben an das Gute im Menschen


Ja, das 2024 soll für alle ein Gutes werden. Wenn ich so auf das vergangene Jahr zurückblicke, scheint es mir, als hätte meines gar nicht stattgefunden. Als hätte es mich kaum gegeben, als wäre ich kaum vorhanden gewesen. Ich hatte mich verloren, aber nicht im vergangenen Jahr, sondern schon vor längerer Zeit. Aber ich habe es erst letztes Jahr festgestellt. Während ich schreibend zurückblicke, stelle ich fest, dass mir das Leben doch einige schöne Momente geschenkt hat, in denen ich das Gefühl von Glück spüren durfte. Und davon handeln die nächsten Zeilen und ich lade dich ein, darin einzutauchen. Jeden Morgen, wenn ich erleben kann, wie die Sonne aufgeht, wie ihr Licht zauberhafte Stimmungen an den Himmel malt, kann ich diese Glücksmomente wieder fühlen. die ich als Frühaufsteherin geniessen darf. Und manchmal gelingt es mir auch, diese Lichtmalerei mit der Kamera einzufangen, so wie an diesem verregneten Morgen auf dem Damm zwischen Rapperswil und Pfäffikon SZ.



Fürs 2023 habe ich mir selber ein Geschenk gemacht und meine Lichtblicke, meine Hoffnungen für die Zukunft an der Photo23 ausgestellt. Doch das grösste Geschenk waren die vielen Begegnungen mit wunderbaren Menschen in diesen fünf Tagen der Ausstellung. Die interessanten Gespräche über Licht und Schatten, über die Magie der Fotografie, der Kraft der Bilder und über «Gott und die Welt» haben mein Innerstes, meine Seele genährt und gestärkt. Ich habe Gleichgesinnte getroffen, die mich an mein Urvertrauen in eine bessere Welt erinnert haben. Eine Welt, in der wir Menschen in Frieden und Einklang mit der Natur leben. Eine Welt, in der Dankbarkeit selbstverständlich und Bescheidenheit eine Tugend sind. Mit diesem noch zarten Gefühl von Frieden mit und in mir, von «ich bin nicht perfekt, aber gut genug» startete ich in den Frühling. Voller Hoffnung, mit meinem Sein, meinen Worten und meinen Bildern andere Menschen zu berühren, zu selbstbestimmtem Denken anzuregen und mit ihnen in einen Dialog zu kommen. Ich wollte lernen – warum das Weltgeschehen mir eine andere Realität zeigt, als die, von der ich träume. Warum wir als Menschheit aus der Geschichte so wenig gelernt haben. Und schon war er da, der nächste Lichtblick. Ich wurde zur Teilnahme an der «Art Ufnau» eingeladen. Eine unbeschreibliche Überraschung und grosse Ehre führ mich. Lichtblicke in Form von grossen Bildern zu zeigen, war nicht einfach und vielleicht hätte ich eine andere Auswahl treffen sollen. Aber nein, genau diese Bilder, die ich gemacht und ausgestellt hatte, waren und sind mir wichtig – sie sind ein Teil von mir und ich bin dankbar, dass ich mit so vielen lieben, lustigen, aufgestellten, interessanten und kritischen Menschen über die Wichtigkeit von Licht und Zwischenlicht sprechen durfte.



Dann erwachte langsam die Naur aus ihrem Winterschlaf, die ersten Krokusse verwandelten unseren kleinen Garten in eine lilafarbene Oase, die für die viele Bienen und die unterschiedlichsten Insekten erste Nahrung nach der Winterruhe bot. Auch ich hatte das Gefühl, aus meinem Winterschlaf zu erwachen, mich neu zu orientieren um endlich die Frau zu werden, die ich schon immer sein wollte. Wie die Schmetterlinge, deren Raupen ich jedesmal feiere, fühlte ich mich eingewickelt in einem Kokon, bereit mich zu verwandeln, mein neues Leben zu beginnen. In diesem Kokon fühlte ich mich sicher, geschützt und leider habe ich es im vergangenen Jahr nicht geschafft, ihn zu verlassen. Jetzt frage ich mich, ob mir dazu einfach der Mut fehlte, ob ich mich selbst oder andere daran gehindert haben. War ich einfach noch nicht bereit dazu? Dennoch ist das Jahr 2023 für mich kein verlorenes Jahr. Manche Seelen brauchen einfach länger, um sich zu transformieren. Das Leben ist nicht wie Photoshop oder ChatGPT, wo jeder ganz einfach, schnell und sauber seine Realität beschönigen kann. Ich begann von Schmetterlingswegen und -städten zu träumen und statt sie virtuell auf Google Maps einzuzeichnen, habe ich im ganz Kleinen begonnen, Weiden-Stecklinge an Wegesränder zu stecken und Wildblumen- und Kräutersamen zu verstreuen, in der Hoffnung, ich könnte damit etwas erreichen. Doch das genügt nicht. Dafür braucht es mehr Menschen, jeden und jede einzelne von uns. Und da wäre ich bei meinem ersten Wünsch fürs neue Jahr. Ich wünsche mir, dass alle meine Freunde einen Topf mit einer Blütenmischung bepflanzt. Einerseits werden sie dir das Leben bunter machen und anderseits bieten die Blüten Nahrung für unsere heimischen Nützlinge. Lasst uns Schmetterlings- und Insektenbrücken bauen und diesen Traum, diesen Wunsch in Erfüllung gehen.


Stell dir vor, du kannst vor deinem Fenster Schwalbenschwanzraupen bei ihrer Metamorphose beobachten, um dann später, nach mehreren Häutungen beobachten, wie die geschlüpften Sommervögel um Blüten tanzen.



Glücksmoment pur Das sind dann die Momenten, in denen ich wieder an das Gute im Menschen glauben kann und daran, in einer besseren Welt zu leben. Einer Welt, in der der Mensch begriffen hat, dass es nicht darum geht, sich mit mehr und noch mehr Sinnlosem zu umgeben, sondern achtsam zu sein. Mit sich, seinem Innersten und mit dem Aussen, der Umwelt, seinen Liebsten, dem Nächsten, den Nachbarn …


Apropos Nachbarn. Unsere haben einen alten Aprikosenbaum, der sich zu Strasse hin an die Stallwand schmiegt. Die ganze Familie hegt und pflegt diesen alten, knorrigen Baum. Schon die Grosseltern haben zur Stütze Spalierdrähte gespannt und jetzt schützen die Nachfahren seine Blüten vor Frühlingsfrost mit Spannbettlaken. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, denn die Blüten sind so fragil, so zart, dass es mehrere Personen braucht, den wärmenden Schutz sorgfältig anzubringen. Das Ergebnis sieht dann immer lustig aus, wenn sieben oder acht verschiedenfarbige Fixleintücher an der Mauer hängen. Bestimmt haben sich schon einige, die mit ihrem Auto daran vorbei gefahren sind, gefragt, was das soll. Spannbettlaken an die Hauswand zu hängen. Nein, das ist kein atavistischer Brauch. (Jetzt bist du bestimmt gerade über das Wort atavistisch gestolpert. Ich auch. Ich habe nämlich bei Synonym nach einer Alternative für archaisch gesucht und atavistisch? gefunden. Laut Duden bedeutet dies: in Gefühlen, Handlungen usw. einem früheren, primitiven Stadium der Menschheit entsprechend.) Aber ist es das wirklich? Ein primitives Stadium der Menschheit? In meinen Augen ist dies ein pragmatische, aber äusserst moderne Umweltschutzhandlung und -Haltung. Wir schützen mit dem, was wir haben, das, was uns wichtig ist. Und eines kann ich euch sagen, den Ertrag, den dieser alte Aprikosenbaum vergangenen Sommer einbrachte, war enorm und noch etwas kann ich verraten, die Aprikosen schmeckten himmlisch. Danke, liebe Nachbarn, dass ihr uns daran habt teilhaben lassen.


Im Frühling und Frühsommer haben sich meine Gedanken sehr um mich gedreht. Darum, wer ich bin, was ich bin und wozu ich hier bin. Ich fühlte mich immer mehr als Ausserirdische. Ich verstand die Welt nicht mehr. Das Weltgeschehen schon gar nicht. Und ich wurde all der schlimmen Ereignisse von Krieg, Umweltkatastrophen und kriminellen Machenschaften in Wirtschaft und Politik überdrüssig. Da habe ich mich in meine Traumwelt voller Schmetterlinge, Blüten und Bienen zurückgezogen, um den Schrecken der Welt auszublenden. Darin habe ich mich verloren und erst als ich ein Gespräch zwischen Gott und einer Person in Not belauscht hatte, wurde mir klar, dass ich etwas tun muss. Dass ich das tun muss, was ich am besten kann. Und am Besten kann ich von meinen Träumen erzählen. Den Träumen einer besseren Welt. Dass es sich lohnt, für diese bessere Welt gewaltlos, aber laut und deutlich einzustehen. Bunt und vielfältig; gerecht und ausgeglichen, von Herzen, authentisch, echt. Ich bin dankbar dafür, dass mich das vergangene Jahr so viel hat lernen lassen. Danke 2023. Und doch freue ich mich, dich hinter mir zu lassen und in ein 2024 zu starten, das viel Veränderung bringen wird, denn ich werde es den Schmetterlingen gleich tun und meinen Kokon nächstens verlassen.



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